Muttergebundene Kälberaufzucht, Hofgut Rengoldshausen, Überlingen 

Das Hofgut Rengoldshausen bei Überlingen nimmt eine Sonderstellung unter den landwirtschaftlichen Betrieben ein: Der Hof ist seit 1985 als gemeinnütziger Verein organisiert; 40 Personen leben auf dem Betrieb, darunter sind sieben Betriebsleiter, die gleichzeitig auch die Pächter des Hofgutes sind. 

(Text mit freundlicher Genehmigung aus: Leitfaden Bio-Kälberaufzucht für die Nachzucht und Rindermast. Lukas Kiefer, Daniel Weiß, Fotos: Lukas Kiefer, Ulrich Ostarhild)

 

Rengoldshausen

Mechthild Knösel ist Betriebsleiterin im Bereich Milchvieh. Ihr unterstehen 50 Milchkühe und 100 Kälber, Färsen und Bullen, da auf dem Betrieb jedes geborene Kalb großgezogen wird.

Die Kälberaufzucht auf dem Hofgut Rengoldshausen in der Übersicht:

  • Die Kälber dürfen 12 Wochen an der eigenen Mutter trinken
  • Von der 13. bis zur 16 Woche (=> Absetzen) und Tränke bei „fremden Müttern“
  • Wenig Trennungsschmerz durch sanfte Entwöhnung nach der 16. Woche
  • Ca. 1.080 kg Milchaufnahme pro Kalb
  • Absetzgewicht ca. 200 kg
  • Hoher Stallplatz- und Flächenbedarf
  • Sehr gute Arbeitsorganisation notwendig
  • Hervorragende Tiergesundheit

Als Futtergrundlage stehen dafür 75 ha Grünland und 25 ha Kleegras zur Verfügung. Kraftfutter gibt es nicht. Lediglich nicht verkauffähiges Gemüse aus der zum Betrieb gehörenden Gärtnerei wandert manchmal in den Trog. Auf diese Weise erreicht Mechthild Knösel mit ihren Braunviehkühen alter Zuchtrichtung eine Milchleistung von etwa 5000 kg pro Kuh bei einem Erstkalbealter von 30 Monaten.

Die Tiergerechtheit ihrer Rinderhaltung hat für Knösel einen besonderen Stellenwert.

 

Rengoldshausen

Kalb und Kuh bleiben 24 Stunden lang nach der Geburt miteinander in einer separaten Bucht. Danach kommen die Kühe mit ihren Kälbern in eine Mutterkuhgruppe, in der sie einen Monat lang verbleiben. Nur zu den Melkzeiten werden die Kühe aus der Gruppe genommen, um gemolken zu werden.

Die Monate 2 und 3 verbringen die Kälber in einer Kälbergruppe. Zweimal am Tag kommen ihre Mütter hinzu und werden von den Kälbern besäugt, anschließend werden die Mütter gemolken. Im vierten Monat dürfen die Kälber nicht mehr an der eigenen Mutter saugen. Allerdings steht ihnen zweimal täglich noch immer eine Amme zur Verfügung.

Eine enge Bindung zwischen Kuh und Kalb wirke sich positiv auf die Entwicklung aus, so Knösel. Je näher der Zeitpunkt des Absetzens rückt, desto später werden die Kälber aus der Kälbergruppe zu den Ammenkühen gelassen. Weil die Euter zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel Milch enthalten, werden die Kälber auf diese Art und Weise langsam entwöhnt.
Nach dem Absetzen werden die Bullen und Färsen rein grundfutterbasiert mit Weide,
Grassilage und Heu gemästet. Auf diese Weise erreichen die Bullen im Alter von 24 Monaten Schlachtgewichte von ca. 420 kg, obwohl das Braunvieh alter Zuchtrichtung nicht als typische Fleischrasse betrachtet werden kann, sondern eher einer klassischen, traditionellen Doppelnutzungsrasse entspricht. Neben der Mutter fressen die Kälber früh Heu
Der Arbeitszeitaufwand scheint für diese besonders tiergerechte Haltungsform nicht viel höher als in anderen Systemen. Pro Tag wenden Knösel und ihre Mitarbeiter etwa eine Stunde Zeit für die Kälber mit ihren Müttern auf.

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